solidaritätsbekundung mit dem strukturwandel in der kts

wir solidarisieren uns mit dem aktuellen strukturwandel in der kts.
wir haben als gruppe vor über 7 jahren das haus frustriert verlassen, nachdem versuche, die dominanzstrukturen zu verändern gescheitert waren. daher war es für uns sehr schmerzhaft, in den letzten jahren immer wieder zu sehen, wie auch andere gruppen frustriert das haus verlassen, nachdem sie sich vergeblich an den selben dominanzstrukturen abgemüht haben.
umso mehr freut es uns, zu sehen, dass sich jetzt endlich an diesen eingerosteten strukturen etwas verändert.
wir wünschen viel erfolg und fähigkeit zur selbstreflektion bei dem projekt, die kts zu einem offenen, diskriminierungsfreien haus zu machen, in dem platz für unterschiedliche linke perspektiven ist.

inter* Ally-Workshop

Das ‚I‘ in den Abkürzungen LGBT*I*QA+ und FL*I*NTA steht für Intergeschlechtlichkeit, oder kurz inter* – aber was heißt das? Und warum gibt es oft wenig Sichtbarkeit für Inter*-Themen? Dieser Workshop bietet einen Einstieg ins Thema inter*, Raum für Fragen und Austausch mit inter* Personen. Der Workshop richtet sich an alle, die solidarisch mit inter* Menschen sein wollen, aber noch nicht genau wissen, wie.

wann? 28.juni von 18-20uhr
wo? online (link nach anmeldung)
wie?
– anmeldung bis zum 21. juni an realitaetenwerkstatt@riseup.net
– teilnahme begrenzt auf 20 personen
– in deutscher lautsprache
– der workshop ist kostenlos

Der Workshop wird organisiert von der realitätenwerkstatt. Wir sind eine Gruppe aus dem fz*, einem Raum für Inter*Agender*Non-Binary*Trans*Mädchen*Lesben*Frauen.
Aber wir haben den Eindruck, dass wenig Bewusstsein darüber existiert, was es braucht, damit sich inter* Menschen wohl fühlen.
Wir laden euch ein, uns auf der Suche zu begleiten.

Zur Referent*in:
Frieda (kein Pronomen/sie) ist weiß, inter* und queer. Frieda liebt Workshops und Seminare und ist Trainer:in für politische Bildung mit Schwerpunkt extreme Rechte, Antifeminismus und geschlechtliche Vielfalt. Bei TrIQ ( https://www.transinterqueer.org/ ) macht Frieda Bildungsarbeit zum Thema inter* und ist ansprechbar unter der folgenden Email-Adresse f.fischer@transinterqueer.org

Redebeitrag zum 8. März 2022 von TransAll und realitätenwerkstatt

Zur Version in leicher Sprach: https://realitaetenwerkstatt.noblogs.org/redebeitrag-in-einfacher-sprache-zum-8-maerz-2022-von-transall-und-realitaetenwerkstatt/
À la version en Français: https://realitaetenwerkstatt.noblogs.org/franzoesische-uebersetzung-redebeitrag-zum-8-maerz-von-transall-und-realitaetenwerkstatt/
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Wir sind heute hier und überall auf der Straße für einen gemeinsamen feministischen Kampf, weil wir alle das Patriarchat satt haben. Wir machen unterschiedliche Erfahrungen als trans* und cis Personen, als inter* und endo, als agender, genderfluide, männliche, weibliche und nicht-binäre Personen, aber wir haben alle ein gemeinsames Ziel: nieder mit dem Patriarchat!
Wir wissen wer wir sind. Und wir wissen was wir wollen!
Wir wollen frei von einengenden Normen selbst über unsere Körper bestimmen.
Wir alleine entscheiden, wer wir sind, wie wir leben und wen wir lieben.
Jeder Eingriff in diese Entscheidungen ist ein Angriff auf uns als Personen und wir stellen uns entschieden auf die Seite derer, denen diese Selbstbestimmung abgesprochen wird.
Schluss mit der Kriminalisierung und Pathologisierung unserer Körper und Lebensweisen!
Weg mit Paragraph 218 und 219a. Reproduktive Gerechtigkeit für alle! 
Schluss mit der Diskriminierung von Sexarbeiter*innen aller Geschlechter!
Her mit dem Selbstbestimmungsgesetz! TSG abschaffen. Sofort!
Und wir fordern endlich: 
– ein wirklich lückenloses Verbot von nicht lebensnotwendigen medizinischen Eingriffen an inter* Menschen ohne deren Einwilligung!
– eine Entschuldigung und Entschädigung für alle von dieser Gewalt Betroffenen!
– und eine angemessene Gesundheitsversorgung für alle Menschen! 
Schon immer sind feministische Kämpfe – entgegen dem, was uns weisser Mainstream vorgaukeln will, – queer und vielfältig! Schon immer werden feministische Kämpfe von inter*, agender*, trans* und nicht-binären Menschen gekämpft und getragen – besonders von Schwarzen und Indigenen Menschen und People of Color.
So viele Menschen vor uns haben so viel für uns erkämpft. So viele Menschen kämpfen heute weltweit für Selbstbestimmung und soziale Gerechtigkeit. Mit dieser Kraft im Rücken wollen wir solidarisch sein mit allen emanzipatorischen und feministischen Kämpfen gegen jede Unterdrückung!
Mehrfachmarginalisierung ist real, auch in unseren Communities. Nichts weniger als ein wirklich intersektionaler Feminismus ist unser Anspruch! Wir haben also noch viel zu tun! Zweigeschlechtlichkeit ist im Kontext von Kolonialismus entstanden und eng verwoben mit Rassismus und kapitalistischen Strukturen. Deshalb ist unser Feminismus ein antikapitalistischer und antirassistischer trans*feminismus!
Wir lassen uns nicht spalten von reaktionären Akteur*innen, die sich und ihre rassistischen, queer & trans*feindlichen Positionen liberal und ihre Hasstiraden feministisch schimpfen. Ihr könnt nicht länger verheimlichen, dass ihr das Geld für eure unsäglichen Kampagnen von christlichen Fundamentalist*innen und antifeministischen Gruppierungen bezieht. Wir wissen ganz genau, dass ihr mit den Rechten kooperiert!
Unterdrückung funktioniert immer über Binarität. Daher wird auch niemals ein elitärer, weißer biologistischer Cis-Feminismus das Patriarchat abschaffen. 
Haut ab mit euren Behauptungen, es gäbe nur zwei Geschlechter! Verpisst euch mit eurer Vorstellung, Geschlecht sei angeboren, an Körpern oder Verhalten ablesbar, unverändlich und hätte irgendwas damit zu tun, wie wir fühlen und was uns gefällt. Verschont uns mit euren anmaßenden Einbildungen, ihr wüsstet besser wer wir sind, als wir selbst.
Das Patriarchat versucht uns gegeneinander auszuspielen. Wir sind erst frei, wenn wir uns zusammentun und dieses beschissene System zerschlagen.
Und genau deshalb sind wir hier. Nieder mit dem Patriarchat! Nieder  mit dem binären Geschlechtersystem!
Wir sind agender und nichtbinär*, cis und trans*, endo und inter* und das ist unsere gemeinsame Revolution!
Her mit dem guten Leben für alle!

Französische Übersetzung Redebeitrag zum 8. März von TransAll und realitätenwerkstatt

Link

Nous sommes ici aujourd’hui et dans toutes les rues pour une lutte féministe commune, parce que nous en avons toutes assez du patriarcat. Nous avons des expériences différentes en tant que personnes trans* et cis, inter* ez endo, agender, genderfluide, féminines, masculines et non-binaires – mais nous avons toutes un objectif commun: à bas le patriarcat ! 
Nous savons qui nous sommes. Et nous savons ce que nous voulons! Nous voulons décider nous-mêmes de notre corps.
Nous sommes les seules à décider qui nous sommes, comment nous voulons vivre et qui nous voulons aimer. Toute intervention dans ces décisions est une attaque contre nous en tant que personne et nous nous rangeons résolument du côté de ceux à qui l’on dénie cette autodétermination.
Le patriarcat nous attaque en criminalisant et en pathologisant nos décisions concernant nos corps et nos modes de vie. Ça suffit! 
Non aux paragraphes 218 et 219a! Nous réclamons la justice reproductive pour tous! 
Non à la la discrimination des travailleur.euse du sexe!
Oui à une loi d’autodétermination! Supprimez la TSG. Ici et maintenant!
Et nous exigeons: 
– une interdiction vraiment sans faille des interventions médicales non vitales sur les personnes inter* sans leur consentement!
– des excuses et un dédommagement pour toutes les personnes concernées par ces violences!
– et des soins de santé appropriés pour tous! 
Depuis toujours, les luttes féministes sont queer et diversifiées – contrairement à ce que les média eurocentristes veut nous faire croire !
Depuis toujours, les luttes féministes sont menées et portées par des personnes inter*, agender*, trans* et non-binaires – en particulier par des personnes racisées.
Tant de gens avant nous ont obtenu tant de choses pour nous. Tant de personnes luttent aujourd’hui dans le monde entier pour la justice sociale. Avec cette force derrière nous, nous voulons être solidaires des luttes internationales contre toute forme d‘oppression! 
La marginalisation multiple est réelle, même dans nos propres communautés. Notre ambition n’est rien de moins qu’un féminisme véritablement intersectionnel ! Nous avons donc encore beaucoup à faire! La binarité est née dans le contexte du colonialisme et est étroitement liée au racisme et aux structures capitalistes. C’est pourquoi notre féminisme est un féminisme trans* anticapitaliste et antiraciste!
Nous ne nous laisserons pas diviser par des acteurs et actrices réactionnaires qui se qualifient eux-mêmes et leurs positions racistes, queer & trans* hostiles de libéraux et qui qualifient leurs discours de haine de féministes. Vous ne pouvez plus cacher que l’argent de vos innommables campagnes provient de fondamentalistes chrétiens et de groupes antiféministes. Nous savons très bien que vous coopérez avec la droite!
L’oppression fonctionne toujours sur la base de la binarité. C’est pourquoi un cis-féminisme élitiste, blanc et biologiste n’abolira jamais le patriarcat. 
Cassez-vous avec vos affirmations selon lesquelles il n’y a que deux sexes! Cassez-vous avec votre idée que le genre est inné, qu’il se lit sur le corps ou le comportement, qu’il est immuable et qu’il a quelque chose à voir avec ce que nous ressentons et ce qui nous plaît. Cassez-vous avec vos idées prétentieuses selon lesquelles vous savez mieux qui nous sommes que nous-mêmes.
Le patriarcat essaie de nous désunir et de nous monter les uns contre les autres. Nous ne serons libres que lorsque nous nous unirons pour détruire ce système de merde.
Et c’est précisément pour cela que nous sommes ici. À bas le patriarcat! A bas le binaire! 
Nous sommes agender et non-binaire*, trans* et cis, inter* et endo et c’est notre révolution commune!
Vive la justice sociale!

Redebeitrag in einfacher Sprache zum 8. März 2022 von TransAll und realitätenwerkstatt

Link

Heute ist feministischer Kampf-Tag. Deshalb sind wir auf der Straße, hier und an vielen anderen Orten auf der Welt. 
Wir haben unterschiedliche Geschlechter und machen unterschiedliche Erfahrungen. Zum Beispiel als Frauen, Männer und nicht-binäre Menschen. Zum Beispiel als inter* oder trans* Menschen. 
Aber wir haben ein gemeinsames Ziel: Wir sind gegen das Patriarchat. Patriarchat bedeutet einfach gesagt, dass cis Männer in unserer Gesellschaft mehr Macht haben als Menschen mit anderen Geschlechtern. Wir sind gegen Unterdrückung und Gewalt. Wir sind für Gerechtigkeit und Selbstbestimmung.
Wir wissen wer wir sind. Und wir wissen was wir wollen!
Wir wollen selbst über unsere Körper bestimmen.
Wir alleine entscheiden, wer wir sind, wie wir leben und wen wir lieben.
Manche Menschen dürfen nicht selbst über ihren Körper bestimmen. Weil es diskriminierende Gesetze gibt. Wir möchten diese Menschen unterstützen. Außerdem möchten wir neue, bessere Gesetze, damit jeder Mensch selbstbestimmt über seinen Körper entscheiden kann.
Das ist in vielen Bereichen wichtig. Zum Beispiel:
Wenn ein Mensch schwanger ist und die Schwangerschaft abbrechen möchte.
Wenn ein Mensch Sex-Arbeit macht.
Wenn ein Mensch trans* ist und seinen Körper verändern möchte.
Das darf nicht als kriminell oder krank dargestellt werden. Alle Menschen sollen gute Gesundheits-Versorgung bekommen.
Die Norm in unserer Gesellschaft ist, dass Körper klar als männlich oder weibliche eingeordnet werden. Das ist aber falsch. Weil alle Menschen haben verschiedene Körper. Inter* Menschen lassen sich nicht eindeutig zuordnen. Oft werden sie operiert, damit ihre Körper mehr der Norm entsprechen. Oft schon als Baby. Und oft ohne dass sie das wollen. Das ist Gewalt und muss ganz verboten werden. Und es muss eine Entschuldigung und Entschädigung für Betroffene geben.
Vielfältige und queere Menschen setzen sich schon immer für Feminismus ein. Besonders auch Schwarze Menschen, Indigene Menschen und People of Color haben viel für feministische Kämpfe getan. Das muss sichtbar sein.
Dass so viele Menschen früher und heute für Gerechtigkeit kämpfen gibt uns Kraft. Sie haben viel erreicht. Und wir wollen solidarisch sein mit allen, die sich weltweit gegen Unterdrückung wehren.
Dabei ist uns Intersektionalität wichtig. Intersektionalität heißt, wenn Menschen mehrfach diskriminiert werden, zum Beispiel weil sie Schwarz und Frau sind. Oder weil sie queer sind und behindert werden. Dadurch sind sie noch stärker benachteiligt.
Wir wollen in unserem Feminismus darauf achten. Zum Beispiel, dass wir uns gegen Rassismus einsetzen. Und gegen die Diskriminierung von trans* Menschen. Auch in unserer feministischen Community.
Manche Menschen sagen, dass sie feministisch sind. Gleichzeitig sagen sie rassistische, queer-feindliche und trans*feindliche Sachen. Oder sie arbeiten zusammen mit extremen Rechten und anderen anti-feministischen Gruppen. Das macht uns wütend. Das ist nicht unser Feminismus!
Es gibt mehr als zwei Geschlechter! 
Geschlecht kann nicht am Körper oder Verhalten erkannt werden!
Geschlecht kann sich verändern!
Haut ab, wenn ihr das nicht respektiert! Verpisst euch, wenn ihr denkt, dass ihr besser wisst, wer wir sind, als wir selbst.
Nur zusammen können wir das System verändern. Zusammen können wir uns von Unterdrückung befreien.
Und genau deshalb sind wir hier. 
Weg mit dem Patriarchat! Weg mit einem Geschlechter-System, das nur Frauen und Männer kennt. 
Wir wollen ein gutes Leben für alle! Wir sind agender und nichtbinär*, trans* und cis, inter* und  und das ist unsere gemeinsame Revolution!

Offener Brief zur neuen Skulptur vor dem Lorettobad

Seit Juni 2021 steht vor dem Lorettobad die Holzskulptur „Loretta – von Keuschheit und Begehren“ des Künstlers Thomas Rees. Sie wurde vom Verein „Freunde des Lorettobades“ gestiftet und bildet die Figuren Pan und Syrinx aus der griechischen Mythologie ab. Diese mythologische Erzählung beschreibt, wie Syrinx vor Pan fliehen muss und sich in ein Schilfrohr verwandelt, da ihre Zurückweisung von Pan nicht akzeptiert wird.

Situationen wie diese, sind für Frauen* und als weiblich* gelesene Personen auch heute noch alltäglich: Ein Nein wird viel zu oft nicht als Nein akzeptiert. Die Zahl derer, die heutzutage von Stalking, sexueller Belästigung und Vergewaltigung betroffen sind, ist hoch. Im Jahr 2020 gab es in Deutschland rund 82.000 registrierten Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung und rund 20.000 polizeilich erfasste Fälle von Stalking, wobei diese Statistiken natürlich nicht die Dunkelziffer erfassen [1, 2]. Gegensätzlich zu den Behauptungen des Künstlers [3] haben sich die Zeiten nicht geändert: auch wenn „die Macht der alten Götter verblichen [ist]“ [3], so ist die des Patriarchats noch nicht überwunden.

Zu der Normalisierung von sexualisierter Gewalt trägt auch eine Romantisierung von übergriffigem Verhalten in Kunst, Medien und Film bei. Das bewusste Übertreten und Ignorieren von Grenzen wird als Liebesbeweis verharmlost, bei Gewalt und Übergriffen von Beziehungs- oder Liebesdrama gesprochen.

Die Problematik der Geschichte von Syrinx und Pan war dem Künstler offensichtlich bewusst, da er schreibt: „Der Pan wurde sehr bewusst ein Teil der Skulptur. Er ist aus heutiger Sicht ein Lüstling, ein Stalker, ein Besitzergreifender, mit einem Frauenbild, das im 21. Jahrhundert eine absolute Unmöglichkeit darstellt. Von den griechischen Gottheiten war er wohl dem noch einer der harmloseren. In der Skulptur steht (kauert) er stellvertretend für etwas, das keine Macht haben darf, nicht sein darf – aber offensichtlich noch immer ein enormes Problem darstellt. Die Wassernymphe Loretta hat sich über die Dominanz der Männerwelt erhoben.“ [3]

Fraglich ist dann jedoch, wieso die Darstellung von Loretta eine sexualisierende und objektifizierende Darstellung weiblicher* Körper ist. Sie entspricht einer patriarchalen Vorstellung des weiblichen Körpers, der der Befriedigung männlicher sexueller Phantasien dienen soll. Auch die Körperhaltung entspricht keiner selbstbewussten Darstellung, da Loretta ihren Körper zu bedecken versucht und damit vielmehr Keuschheit, als wie behauptet Dominanz und Freiheit [3] ausdrückt, während sie selbst dem Begehren des Betrachters ausgesetzt ist. Es gäbe so viele Möglichkeiten, eine selbstbewusste weibliche Figur, die sich „über die Dominanz der Männerwelt“ erhebt, darzustellen, ohne dabei Geschichten über sexualisierte Gewalt zu reproduzieren und normalisieren.

Dass eine solche Skulptur ausgerechnet vor dem Lorettobad platziert wird, welches durch das „Damenbad“ für viele Frauen* gerade ein Schutzort vor sexualisierenden Blicken und Übergriffen darstellt, ist mehr als problematisch. Denn es nimmt diesem Raum ein Stück weit diese Schutzfunktion, indem es Besucher*innen mit genau solchen Erfahrungen und Körperbildern konfrontiert. Dies wird durch das Wissen über den Mythos von Pan und Syrinx verstärkt, indem die Skulptur und die Debatte um diese, den Mythos auch für die Besucher*innen bekannt macht.

Daher fordern wir:

  • die Entfernung der Skulptur „Loretta – von Keuschheit und Begehren“ vor dem Lorettobad
  • sofern dies noch nicht erfolgt ist, eine öffentliche Entschuldigung durch die Verantwortlichen
  • gefolgt von einer Sensibilisierung und Auseinandersetzung zu den in diesem Brief besprochenen Problematiken

* indem wir einen Stern hinter manche Worte wie Frauen, Frau und weiblich setzen, möchten wir an diesen Stellen ausdrücken, dass es sich um eine soziale Kategorisierung handelt und Menschen, die sich in den Begriffen wieder finden, Unterschiedliches damit verbinden.

Quellen:

  1. https://de.statista.com/themen/800/sexual-und-drogendelikte/#topicHeader__wrapper
  2. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/157327/umfrage/polizeilich-erfasste-faelle-von-stalking-seit-2007/
  3. http://thomas-rees.com/loretta-von-keuschheit-und-begehren/

 

Unterzeichnet von:

Gruppen

Feministische Gruppe Realitätenwerkstatt

octopussya

Fantifa

Feministische Geschichtswerkstatt Freiburg e.V.

unbeherrscht

A-Team Freiburg (Awareness-Team)

fz* Feministisches Zentrum Freiburg e.V.

SUSI gGmbH

SDS Freiburg

Personen

Sabine Graf

Rabea Hussain

Eva Albers

Lea Freudenstein

Sabine Heitmann

Hannah Baur

Feline Venjakob

Lilly Dreyer

Dorothea Schubert

Julienne Bank

Hildegard Brinkel

Stefani Mihailovic

Katrin Bauer

Fränzi Spengler

Helena Heitzer

Hannah Lax

Vera Lax

Sebastian Knopp

Moni Bürkle

Feli Wirthel

Cornell Armstrong

Redebeitrag „feministische Perspektiven in der Corona-Krise“

Einleitung

Durch die Corona-Pandemie verbrachten Väter mehr Zeit zu Hause und begannen sich aktiv in den Haushalt einzubringen. Sie hatten dadurch die Chance, mehr am Leben ihrer Kinder teilzuhaben und die Kinder hatten wiederum die Chance, ihre Väter im Alltag wahrzunehmen. Schon bald wurde in Familien eine gleiche Verteilung von Haus- und Sorgearbeit normal.

Das würden wir gerne sagen, doch leider sieht die Realität anders aus: Der Umgang mit der Corona-Pandemie verstärkt Diskriminierungen und Ungerechtigkeiten gegenüber Menschen, die auch vorher Ungerechtigkeiten erfahren haben.

Wir werden an drei Beispielen zeigen, wie das passiert: einmal als Folge der Doppelbelastung durch Lohn- und Sorgearbeit, dann durch die Zunahme häuslicher Gewalt und zum Schluss gehen wir auf den Zugang zu medizinischer Versorgung ein.

Wir sprechen hier von “Frauen” und “Männern”. Es gibt viele Menschen, die sich nicht als Frauen oder Männer verstehen, was häufig zu weiterer Benachteiligung führt. Wir finden diese Kategorien falsch, weil sie uns einschränken und unterdrücken. Wir brauchen sie jedoch, um Ungerechtigkeiten zu benennen, die es in einer Gesellschaft gibt, die uns in Männer und Frauen einteilt.

Arbeitsverteilung

Viele Frauen arbeiten unter schlechten Bedingungen und mit schlechter Bezahlung in gesellschaftlich relevanten Berufen. Das sind z.B. die Pflege, der Lebensmitteleinzelhandel oder die Hauswirtschaft. Sie arbeiteten auch während der Hochphase der Corona-Pandemie weiter – und das (beispielsweise durch Mehrarbeit und Kontaktbeschränkungen im Privatleben, welche sich aus der Arbeit ergeben). Gleichzeitig waren und sind sie dem Coronavirus durch Kontakt mit vielen Menschen besonders ausgesetzt.

In anderen Berufen sind Frauen die ersten, die in Kurzarbeit geschickt oder gekündigt werden. Im besten Fall können sie von Zuhause arbeiten.

Für Familien führte die Pandemie zu enormen Herausforderungen, da die Betreuung für die Kinder weggefallen ist und immer noch nicht vollständig übernommen wird. Oft sind es die Mütter, die in hohem Maß die Kinderbetreuung schultern. Das neben der Erwerbsarbeit zu schaffen führt zu einer doppelten Belastung, die vor allem für Alleinerziehende besonders schwierig ist.

Aber auch ohne Kinder gibt es auf einmal mehr Arbeit im gemeinsamen Haushalt zu erledigen – einfach, weil mehr Menschen öfter da sind, und so mehr Schmutz produzieren, mehr essen, oder es mehr Zoff gibt. Die notwendige Sorgearbeit wird größtenteils von Frauen getragen, wie auch schon vor der Corona-Pandemie.

In der Corona-Krise werden also veraltete und ungerechte Rollenbilder, in denen Männer arbeiten und sich Frauen um den Haushalt und die Kindererziehung kümmern, wieder verstärkt.

Wir fordern, dass geteilte Sorgearbeit im Privaten zur Selbstverständlichkeit wird. Achtet auf einen gerechten, nicht-diskriminierenden Umgang miteinander und lebt Kindern einen Alltag ohne einschränkende Rollenbilder vor.

Um die Ungleichheiten in der Arbeitswelt auszugleichen, reichen keine Einmalzahlungen. Das Gehalt sollte die Wertschätzung des Jobs widerspiegeln. Ein erster Schritt ist es, den gesetzlichen Mindestlohn zu erhöhen. Während der Krise braucht es außerdem gezielt finanzielle Unterstützung für Alleinerziehende.

Häusliche Gewalt

Die Einschränkungen des beruflichen und sozialen Alltags führen dazu, mehr Zeit zu Hause zu verbringen. Dies bringt auch weitere Probleme mit sich:

In Zeiten der Corona-Pandemie ist eine Zunahme von häuslicher Gewalt, auch sexualisierter Gewalt, zu beobachten. In vielen Fällen sind es Frauen*, Transpersonen oder Queers, die derartiges erfahren. Durch Ausgangssperren sind Betroffene häuslicher Gewalt vermehrt ihren gewalttätigen Mitmenschen ausgesetzt. Gewalttätige Partner kontrollieren vermehrt die Kontakte ihrer Partner*innen. Nicht zuletzt bedeutet das reduzierte soziale Leben eine Minderung an Kontaktmöglichkeiten, um Betroffene von Gewalt in ihrer Situation zu unterstützen.

Zu Beginn des Lockdowns bereiteten sich viele Frauenhäuser und Telefon-Beratungsstellen auf einen erhöhten Bedarf vor – dieser blieb aber zunächst aus, bis in den letzten Wochen die Beschränkungen wieder gelockert wurden. Dies lässt darauf schließen, dass die Ausgangssperren nicht nur häusliche Gewalt begünstigten, sondern außerdem den Zugang zu Hilfeangeboten erschwerten.

Auch Transpersonen sind so gezwungen, sich beispielsweise vermehrt in einem Umfeld aufzuhalten, das ihre Identität nicht anerkennt und dadurch psychisch belastend ist.

Wir fordern, dass die ohnehin schon überlasteten Frauenhäuser ausreichend finanziert werden. Psychologische Beratungen und Therapien sollen auch online angeboten und ohne Hürden genutzt werden können.

Medizinische Eingriffe

Die Corona-Pandemie hat zu Verschiebungen von angeblich nicht-notwendigen medizinischen Eingriffen geführt. Auch der Zugang zu medizinischen Diensten wurde erschwert. Dies betrifft insbesondere Frauen und Transpersonen.

So wurde in manchen Ländern die Corona-Krise zum Anlass genommen, den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen weiter einzuschränken. Beispiele hierfür sind Polen und einige Bundesstaaten in den USA. Auch in Deutschland wurden weniger Eingriffe bei gleichbleibendem Bedarf durchgeführt. Die meisten Schwangerschaftsabbrüche sind in Deutschland nur straffrei, wenn sie innerhalb der ersten zwölf Wochen nach Empfängnis vorgenommen werden – sie sind also nicht verschiebbar, und dürfen nicht als unnötiger Eingriff kategorisiert werden. Denn ein erschwerter Zugang führt nicht zu weniger, sondern nur zu unsichereren Abbrüchen.

An erster Stelle fordern wir daher die Einordnung von Schwangerschaftsabbrüchen als notwendige medizinische Leistung. Dazu braucht es mehr Mediziner*innen, die den Eingriff vornehmen können. Wir fordern daher den Ausbau der Lehre dazu im Medizinstudium. Um in Krisensituationen Engpässe zu überbrücken, fordern wir außerdem die Möglichkeit, medikamentöse Schwangerschaftsabbrüche zu Hause durchführen zu können.

Transpersonen sind auf ähnliche Weise betroffen: sie müssen länger auf geschlechtsangleichende Operationen warten, entweder weil selbige verschoben wurden (da sie als medizinisch nicht-notwendig angesehen werden) – oder auch, weil der Zugang zu Gutachtengesprächen erschwert ist.

Bezogen auf die verstärkten Hürden, die Transpersonen während der Zeit der operativen Geschlechtsangleichung und rechtlichen Personenstandsänderung erleben, fordern wir, dass geschlechtsangleichende Operationen aufgrund der Selbstidentifikation von Personen von der Krankenkasse übernommen werden und, dass die bevormundenden Gutachtenpflichten für Personenstandsänderungen abgeschafft werden.

Abschluss

Unsere Forderungen sind nicht neu, doch umso dringlicher, da sich bestehende Ungleichheiten in der Krise verstärkt haben. Lasst uns gemeinsam eine Realität erschaffen, in der die gerechte Verteilung der Sorgearbeit zwischen den Geschlechtern keine Utopie, sondern Alltag ist. Wir wollen die Corona-Pandemie zum Anlass nehmen, uns mit den Problemen, die durch sie deutlich werden, auseinanderzusetzen und wir werden nicht zulassen, dass die Krise dazu verwenden wird, uns alte, einschränkende Rollenbilder aufzuzwängen und Ungerechtigkeiten in dieser Gesellschaft zu verstärken.

Am 26.4. ist Lesbian Visibility Day, deswegen fordern wir: Lesbische Sichtbarkeit!

Seit Jahrzehnten kämpfen Lesben für mehr Sichtbarkeit in der Gesellschaft. Durch die doppelte Marginalisierung als nichtheterosexuelle Frauen sind Lesben und ihre Bedürfnisse, Wünsche und Belange innerhalb der Gesamtgesellschaft weitgehend unsichtbar. Als Frauen sind sie in einer patriarchal und binär strukturierten Gesellschaft auf die Anerkennung von Cismännern angewiesen, weitgehend auf den Bereich der Reproduktions- und Care-Arbeit reduziert und potentielle Opfer sexualisierter Gewalt. Als nicht heterosexuell fallen sie aus dem Regelsystem der sexuellen Verfügbarkeit für Cismänner heraus und damit auch aus dem Spiel um Anerkennung. Sie geraten beinahe vollends aus dem Blickfeld der Gesamtgesellschaft. Während es in den 1970er bis 1990er Jahren angekurbelt durch die zweite Frauenbewegung kurzfristig eine größere Sichtbarkeit von Lesben gab, ist diese in den letzten Jahrzehnten zunehmend verschwunden. Dezidiert lesbisch organisierte Projekte und Organisationen gibt es wenige. Lesbenkultur in Form von Buchläden, Bars und Clubs sind seit den 1990er Jahren nacheinander verschwunden. In Freiburg gibt es als dezidiert lesbische Treffpunkte noch die jährlich stattfindenden Lesbenfilmtage sowie den monatlichen Kneipenabend Bar Drei.
Auch der Begriff „Lesbe“ ist in den letzten Jahren immer seltener geworden, teils aufgrund der Etablierung anderer Begriffe, teils aufgrund der Ablehnung der Assoziationen, die mit diesem Begriff einhergehen. Denn Lesben, wie sie die zweite Frauenbewegung hervorgebracht hat, sind mit Assoziationen wie ‚laut‘, ‚wild‘, ‚promiskuös‘, ‚unbequem‘, ‚männerhassend‘ besetzt – Assoziationen, die dem Frauenbild der Gesellschaft fundamental entgegenstehen und natürlich auch Zuschreibungen, die mitnichten auf alle Lesben zutreffen. Manche Lesben sind laut und wild und noch viel mehr als das und andere sind aber auch ganz anders. Aber ja, wie sind sie denn eigentlich? 
Wir möchten alle lesbisch lebenden Menschen dazu ermutigen, am 26.4. Lesbischsein in Freiburg und überall sichtbar zu machen! Zeigt, wer, was, wie ihr seid und werdet kreativ. Verteilt Zeichnungen, Fotos, Gedichte, Banner – was auch immer! Aber zeigt euch, werdet sichtbar und lasst uns gemeinsam für mehr lesbische Sichtbarkeit und Solidarität eintreten!
 
Unter dem Begriff lesbische Lebensweise verstehen wir im Anschluss an einen Beitrag aus dem Sammelband history unwritten „eine politische Klammer nicht-heterosexueller Erfahrungen und persönlicher, teils politischer Lebensweisen von Frauen und Passing Women[…]/Trans*“.
Feministische Gruppe Realitätenwerkstatt
realitaetenwerkstatt@riseup.net

Offener Brief zum 20. Freiburger Männertag am 7. März 2020

Am 5. Februar 2020 haben wir einen Offenen Brief an die Veranstalter*innen des Freiburger Männertages geschrieben. Dieser fand dieses Jahr am 7. März, am Wochenende vom Internationalen Frauen*kampftag, statt. Organisiert und finanziert wird er von verschiedenen kirchlichen Trägern.

Bereits im letzten Jahr hatten wir in einem Offenen Brief (vom 22.03.2019) Kritik an den beworbenen Inhalten der Workshops geäußert und sind daraufhin in einen Dialog mit den Veranstaltern getreten. Wir bedauern, dass sich trotz dessen keine Veränderung hinsichtlich unserer Kritikpunkte erkennen lässt.

Hier der diesjährige Offene Brief:

Offener Brief an die Veranstalter des 20. Freiburger Männertag

Sicherheitspolitik gegen sexualisierte Gewalt?!

Im Februar ist die Zeitung „Gefährliches Pflaster“ – Zeitung zur Sicherheitskritik erschienen. Herausgegeben wurde sie vom Zeitungskollektiv „Gefährliches Pflaster“, entstanden aus dem Umfeld des Arbeitskreises kritische soziale Arbeit (aks), des Arbeitskreises kritischer Jurist*innen (akj), des Solidarity-City-Netzwerks (SC), des Recht auf Stadt-Netzwerks, des Bündnisses gegen neue Polizeigesetze (NoPolGBW) und des neu gegründeten Anwohner*innen-Vereins Stühlinger.

Mit der Zeitung sollen andere Perspektiven auf die Sicherheitsdebatte gezeigt werden als solche, die bisher von Polizei, Stadtverwaltung und Badischer Zeitung eingenommen werden. Dies gilt auch für die 2017 zwischen der Stadt Freiburg und dem Land geschlossene „Sicherheitspartnerschaft“.

Rechten Diskursen soll damit ein emanzipatorischer Diskurs entgegen gesetzt werden.

Wir haben auch einen Artikel für die Zeitung geschrieben!

Hier findet ihr den Artikel: Sicherheitspolitik gegen sexualisierte Gewalt?!

Hier mehr Informationen, und hier die ganze Zeitung: Zeitung-Sicherheit-final.web_